
Die Germeringer Hausmeisterin Petra Supica hat nicht nur ein Herz für Tiere – sie packt auch tatkräftig an, um ihnen ein schönes Leben zu ermöglichen. Mit dem Lebenshof Hohenwart hat sie sich einen Lebenstraum erfüllt. Und auch noch ihre große Liebe kennengelernt.
Germering – Tagsüber arbeitet Petra Supica als Hausmeisterin in Germering. Abends und am Wochenende tauscht sie den Blaumann gegen Stallkleidung und den Werkzeugkasten gegen die Mistgabel. Die 58-Jährige hat einen Lebenshof für Nutztiere gegründet – und sich damit einen Lebenstraum erf��llt.
Jedermanns Sache wäre der Traum vermutlich nicht. „Meine Söhne beschweren sich, dass ich ständig nach Stall stinke“, sagt Petra Supica und lacht. Das stört sie nicht – ebenso wenig wie die viele Arbeit und die Tatsache, dass sie nach fünf Minuten eingeschlafen ist, wenn sie sich doch mal einen Fernsehabend auf dem Sofa gönnt.
„Ich wollte immer eine Landwirtschaft haben“, erzählt die gebürtige Bruckerin. „Aber ein Lebenshof ist natürlich viel schöner.“ Aufgewachsen auf dem ehemaligen Klostergelände in Fürstenfeld, hat sie schon als Kind viel Zeit im Stall verbracht. Vor drei Jahren kaufte sie ein leer stehendes Anwesen in Hohenwart im südlichen Landkreis Landsberg und zog mit ihren vier Hunden und ein paar Kaninchen ein. Bald kamen die ersten Schafe dazu. „Als Rasenmäher – weil so ein Haufen Wiese dabei ist.“ Auf Ebay kaufte die große blonde Frau ihre ersten Kälber, ein Zwillingspärchen, das quasi schon auf dem Weg zum Schlachter war. Inzwischen sind viele weitere hinzugekommen.
In Supicas Stall leben Rinder, die sie aus Anbindehaltung herausgekauft hat. Kühe, die krank sind oder Gendefekte haben. Junge Bullen, denen der Tiertransport nach Südeuropa oder in den Nahen Osten gedroht hätte, gefolgt von einem ebenso qualvollen wie kurzen Leben in der Mast mit anschließender Schlachtung oder Schächtung. Zu jedem ihrer mittlerweile 36 Schützlinge kann Supica die Lebensgeschichte erzählen, die immer auch eine Leidensgeschichte ist.
Inzwischen häufen sich die Anfragen und Hinweise auf Tiere, die sie aufnehmen könnte – denn der gemeinnützige Verein „Lebenshof Hohenwart“ wird allmählich bekannter. Oft muss die Gründerin und Vorsitzende nein sagen, weil sie keinen Platz mehr hat.
„Nicht gut“, antwortet die Veganerin auf die Frage, wie ihr bei dieser Art von Entscheidung zumute ist. Manchmal ist es unmöglich, eine Auswahl zu treffen – so wie neulich, als ihr jemand ein Foto von vier Jerseyrindern schickte. Ob sie sich davon eines aussuchen wolle? Natürlich nahm sie alle vier. „Aus denen wären sonst Autositzbezüge geworden.“ Auch 20 Schafe leben auf dem Hof – und sechs ehemalige Straßenhunde aus Südeuropa.
Zwei davon hat Werner Vogt mitgebracht. Er kam zuerst nur vorbei, um Petra Supica bei Arbeiten auf dem Hof zu helfen. Inzwischen sind die beiden ein glückliches Ehepaar, das gerade den ersten Hochzeitstag gefeiert hat. Vogt arbeitete früher als Fernfahrer und Inhaber eines Transportunternehmens. Inzwischen ist der 67-Jährige im Ruhestand und genießt die Arbeit auf dem Hof. „Ich vermisse keine Minute der Autobahn.“
Zahllose Wiener Würstchen und Leberkässemmeln hat Vogt früher in Raststätten verdrückt, inzwischen ist auch er Veganer wie seine Frau. Manchmal setzt sich das Ehepaar zu den Kälbern ins Stroh, streichelt Flanken und krault Köpfe. Die Tiere sind zutraulich, selbst die, die anfangs aggressiv oder ängstlich waren. Petra Supica ist überzeugt, dass mehr Menschen auf Fleisch verzichten würden, „wenn sie das Tier dahinter sehen würden“.
September 07, 2020 at 04:52PM
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